Wintersemester 2004/2005

 
 
Dr. Andreas Keller:

Der Bologna-Prozess: 2 Seiten einer Medaille - oder - Es ist nicht alles Gold, was glänzt

16. November 2004, 19 Uhr
Hörsaal XIII (Löwengebäude)

Hinter dem Begriff  "Bologna-Prozess" vermuten nicht nur viele Studierende, sondern auch Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer nach wie vor ein Gerichtsverfahren in Folge des Anschlages auf den Bahnhof der gleichnamigen oberitalienischen Stadt. Oder denken an die in derselben Stadt entwickelte Hackfleischsoße. Dass sich hinter dem Bologna-Prozess ein hochschulpolitisches Projekt von mittlerweile 40 europäischen Staaten innerhalb und außerhalb der EU verbirgt, ist auf deutschen Hochschulcampi nach wie vor nur bildungspolitischen Expertinnen und Experten bekannt. Dabei geht es perspektivisch auch um weit mehr, als um die Einführung neuer Studiengänge und Studienabschlüsse. "The most important and wide ranging reform of higher education in Europe since the immediate aftermath of 1968" wird diese Reform in einem Dokument des Europarates  bezeichnet. Hierzulande liegt der Verdacht nahe, dass diese Reform den Legitimationsrahmen für Sparpolitik hergeben soll und zur Senkung des nationalen Bildungsstandards führt.


Folien des Vortrags von Andreas Keller

ad personam:
Dr. Andreas Keller (FU Berlin/Humboldt-Universität Berlin) ist Politikwissenschaftler und hat sich bis 1999 als wiss. Mitarbeiter an der Philipps-Universität Marburg und bis 2002 in Politikberatung (Referent für Wissenschafts-, Forschungs- und Hochschulpolitik der PDS-Fraktion im Bundestag) mit Fragen der Bildungs- und Wissenschaftspolitik beschäftigt. Er gehört seit 1996 dem Bundesvorstand des Bundes demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi) an. 
Klaus Faber:

Wissenschaftslandschaften in Ost und West

07. Dezember 2004, 19 Uhr
Hörsaal XIII (Löwengebäude)
Annähernd 20% der gesamtdeutschen Bevölkerung leben in Ostdeutschland. Ostdeutschland verfügt aber nur über ca. 5% des gesamtdeutschen Potenzials in der Wirtschaft und nur über ungefähr 2% des entsprechenden Forschungs- und Entwicklungspotenzials.

Die Mehrheit der ostdeutschen Länder wird nur in begrenztem Umfang den Anforderungen an eine Infrastrukturpolitik gerecht, die zum Ausgleich der Auswirkungen des Rückgangs in der Industrieforschung erforderlich ist.

In der ostdeutschen Landespolitik kommt der Wissenschaft häufig nicht diejenige Bedeutung zu, die sie vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs der Industrieforschung haben müsste… Verkannt werden die positiven Wirkungsmöglichkeiten, die Hochschulen und Forschungseinrichtungen gerade in Strukturkrisenregionen wahrnehmen können.

Das Innovationsthema und der Aufbau Ost müssen inhaltlich mit der Föderalismusdebatte verbunden werden, auch dann, wenn es in der dafür eingesetzten Föderalismuskommission in diesem Jahr noch nicht zu einer tragfähigen Einigung kommen sollte. Die Föderalismusar-gumentation sollte in der Zielrichtung eine Erweiterung der Bundesverantwortung für Innovation und Wissenschaft anstreben, was, wie geschildert, unter bestimmten
Voraussetzungen auch dem Entflechtungsziel dient. 

ad personam:
Klaus Faber, Staatssekretär a.D. (1994 bis 1999 Staatssekretär im Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt; 1990 bis 1994 Abteilungsleiter für Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Brandenburg), Rechtsanwalt und Publizist in Potsdam; Geschäftsführender Vorsitzender des
Wissenschaftsforums der Sozialdemokratie in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern e. V.; Mitgründer und Kuratoriumsmitglied des Berlin-Brandenburgischen Instituts für Deutsch-Französische Zusammenarbeit in Europa sowie des Moses-Mendelssohn-Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam; Mitglied des Regionalbeirats Potsdam der Zukunfts-Agentur Brandenburg (ZAB).