Wintersemester 2007/2008

Im Wintersemester 2007/2008 steht unsere Veranstaltungsreihe unter dem Oberthema

Markt und Wettbewerb

Die Veranstaltungsreihe folgt in diesem Semester den beiden Grundprinzipien „Markt und Wettbewerb“ und fragt nach ihren Leistungen und Folgen.

Hochschule

Nach Willen der verantwortlichen Politiker sollen die Hochschulen die Marktarena be- und in den Wettbewerb eintreten. Ihr Angebot muss also auf dem Markt einen Kunden antreffen, der gewillt ist, ihr Produkt zu erwerben. Kunde der Forschung ist - modellhaft gedacht - die Industrie, die investiert (Drittmittel), um die Resultate zu verwerten. Kunde der Ausbildung sind die Studierenden, die investieren (Studiengebühren), um ihre Arbeitskraft zu veredeln. Die Kredite, die sie aufnehmen, um Studium und Studiengebühren zu finanzieren, sind dann wiederum für Dritte ein Geschäft. Auf diesem Markt nun sollen bzw. müssen die Hochschulen untereinander konkurrieren. Sind Exzellenzinitiativen, Hochschulräte, Bachelor- und Masterstudiengänge, Akkreditierung und Evaluation, Finanzautonomie die in die Hochschulwelt übersetzten Mechanismen des Marktes? Welche Folgen hat dies für Forschung und Ausbildung?

Pharmaindustrie und Pharmaforschung

Der Erfolg einer sui generis auf das Wohl, sprich die Gesundheit des Menschen ausgerichteten Forschung nach Heilmitteln wird nicht gemessen an der optimalen Heilung, sondern an der Relation von eingesetzten Geldmitteln und in Umsatz und Gewinn messbarem Markterfolg. Nicht das Mittel ist am heilsamsten, was den Menschen heilt, sondern das, was Konzern und Aktienkurs saniert. Glück ist, wenn beides in eins fällt – aber die Geschichte der Pharmaforschung zeigt, dass dies wirklich Glück ist, nämlich selten. Zu sehr unterscheiden sich die Produktionsbedingungen von Erkenntnis und Gewinn.

Grundeinkommen

Dass Markt und Wettbewerb Folgen zeitigen, die innerhalb ihrer Logik nicht mehr beeinflussbar sind, zeigt die Diskussion um und die Forderung nach einem Grundeinkommen. Ganz offenbar gibt es eine größer werdende Zahl von Menschen, die ihre Existenz dauerhaft nicht mehr als z.B. Marktanbieter von Arbeitskraft bestreiten kann. Außerhalb von Markt und Wettbewerb liegende Regulative sollen kompensieren, was Resultat dieser beiden Prinzipien ist.

Prof. Dr. med. Peter S. Schönhöfer:

Pharmamarketing im Zeichen der Innovationsschwäche:

Mi, 16. Januar 2008
Melanchthonianum, Hörsaal a

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Durch Abschaffung der eigenen Grundlagenforschung in den 1980er Jahren hat die Pharmaindustrie weltweit die Grundlagen zur Entwicklung eigener neuer Produkte weg rationalisiert. Damit verlor sie auch die Kompetenz zur Schaffung und Beurteilung innovativer Produkte. Deshalb sind von den zwischen 1990 und 2005 neu in den Markt eingeführten etwa 470 Wirkstoffen nur 7 echte Innovationen. Etwa 20 bis 30 können als Schrittinnovationen für meist klinisch behandelte Patientengruppe bewertet werden. Der Rest sind Scheininnovationen, die Varianten oder Analoga bekannter Wirkprinzipien ohne relevanten Zusatznutzen darstellen und die nur eingeführt werden, um Mitwettbewerbern Umsatzanteile abzujagen oder Proite durch angebliche überteuerte Neuheiten zu erhöhen. Scheininnovationen können sich keinem Qualitätswettbewerb stellen. Um sie zu vermarkten, müssen andere Marketingstrategien verwendet werden. Diese bestehen

 

  • in Manipulation und Fälschung der Ergebnisse klinischer Studien, 
  • in Irreführung der Fachkreise über die Therapiestandards durch Beeinlussung von Autoren von Leitlinie,
  • im Verschweigen von Risikodaten,
  • im Kauf von Verordnungen durch Anwendungsbeobachtungen,
  • in Vorteilsgewährung an Experten, an professorale „Mietmäuler“ für die irmeninanzierte ärztliche Fortbildung und an als Marketingagenten fungierende Funktionäre von Selbsthilfegruppen.

 

Die Strategien des Pharmamarketings werden anhand von Beispielen dargestellt und Strategien zur Eindämmung des vom Pharmamarketing ausgehenden Wissenschaftsbetrugs skizziert und diskutiert.

Thomas Löding:

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle – sozial oder neoliberal?

Do, 06. Dezember 2006, 19 Uhr
Melanchthonianum, Hörsaal XVI

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Wohl kaum eine andere Idee inspiriert derzeit die politischen Debatten so sehr wie die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen. Von Unternehmern bis zu Arbeitsloseninitiativen, von marktliberalen Ökonomen bis zur Partei DIE LINKE, von der CDU bis zu Attac: Unter der Bezeichnung „bedingungsloses Grundeinkommen“ fordern Befürworter aus unterschiedlichsten Kreisen nichts Geringeres als eine radikale Umgestaltung des Sozialstaats. Ein individuell ausbezahltes Einkommen für alle, ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Gegenleistung, ist der Kern der Idee. Der Vortrag will eine Einführung in die derzeit heiß diskutierte Idee des Grundeinkommens bieten, die Chancen und Potentiale aktueller Modelle aufzeigen, aber auch auf die Gefahren wirtschaftsliberaler Modelle hinweisen. Darüber hinaus wird breiter Raum zur Diskussion der verschiedenen Ansätze geboten.


ad personam:
Thomas Löding studierte Politik, Medienwissenschaft, VWL und Völkerrecht in Göttingen und schrieb seine Diplomarbeit zum bedingungslosen Grundeinkommen. Er ist seit 2002 bei Attac aktiv und derzeit Mitglied im Attac-Rat, einem bundesweiten Gremium von Attac Deutschland. Er organisierte u.a. die Attac-Lidl-Kampagne mit und ist Mitautor eines kleinen Handbuches über Kampagnen in sozialen Bewegungen mit dem Titel „Konzern, Kritik, Kampagne!” (VSA-Verlag, 2006).
Andreas Keller:

Die vermarktete Hochschule – Akademische Selbstverwaltung in Zeiten von Hochschulmanagement und Studienbeschleunigung

Do, 22. November 2007, 19 Uhr
Melanchthonianum, Hörsaal XVIII

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Seit Jahren werden die Möglichkeiten, sich an der Ausgestaltung von Hochschulpolitik zu beteiligen, für die größte Statusgruppe der Hochschulen, die Studierenden, immer weiter beschnitten. Hatte die 68er-Generation noch gegen die Ordinarienuniversität, die Allmacht der Professorenschaft, gekämpft, wurde die geforderte Institution der Gruppenuniversität nur in Ansätzen verwirklicht. Und auch diese Errungenschaft wird im Moment immer weiter abgebaut.

So wurden Institutionen wie die Konzile abgeschafft, um solchen Gremien wie Kuratorien und Hochschulräten Platz zu machen, in denen hochschulexterne „ExpertInnen“ sitzen. Immer häuiger wird die Mitbestimmung an den Hochschulen durch die Forderung nach mehr Professionalisierung und unternehmensgleichem Management.in Frage gestellt. Durch die Einführung verschulter Bachelor-/Masterstudiengänge mit ihrer straffen Zeiteinteilung und einem sehr hoch angesetzten Workload ist mit einem weiteren Demokratieabbau zu rechnen.

Nur in einem Punkt will man den Studierenden mehr Mitsprache einräumen: bei der Verteilung der von ihnen eingezogenen Zwangsabgaben namens Studiengebühren/-beiträge…

 

Folien des Vortrags von Andreas Keller
Axel Bachner:

Die vermarktete Hochschule – Beschränkter Zugang (NC), schlechter Service (Personalabbau)

Do, 25. Oktober 2007
Melanchthonianum, Hörsaal XVI

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„In der Öffentlichkeit wird die Finanzsituation des Landes Sachsen-Anhalt – und dies auch im Vergleich zu anderen Bundesländern – als besonders prekär und dabei dramatisch dargestellt. So warnt z. B. die Mitteldeutsche Zeitung im Zusammenhang mit dem „Gutachten zur Ermittlung haushaltsrelevanter Kennziffern“ vor einer Pleite, wenn das Land und die Kommunen ihr Personal nicht im großen Stil abbauen. Dementsprechend soll das Land derzeit 18,5 % zu viel Personal haben.

Eine Verschärfung der Finanzprobleme in Sachsen-Anhalt wird z. B. in dem gewaltigen Anstieg der Personallasten (für Beamte und Richter) gesehen.

[...] Hat das Land wirklich zu viel Personal, zu hohe Personalausgaben, und dies auch im Vergleich mit anderen deutschen Bundesländern? Sind die Personalausgaben tatsächlich so hoch, dass über das bisher bereits erfolgte Maß hinaus weiterhin ein umfangreicher Personalabbau betrieben werden muss?”


ad personam:
Axel Bachner ist seit vielen Jahren bei ver.di aktiv. Er ist Mitglied des akademischen Senates der Matrin-Luther-Universität. 2006 hat er zusammen mit Hans-Jürgen Trapp die Broschüre „Feststellungen und Überlegungen zu den Personalausgaben des Landes Sachsen-Anhalt” veröffentlicht.