Wintersemester 2009/2010

 
Prof. Dr. Gerald Wolf:

Moral - Geburtsort Gehirn? Diesseits und jenseits von Gut und Böse

27. Oktober 2009, 19 Uhr
HS XIII (Löwengebäude)
„Zwei Dinge erfüllen mich mit zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht“, sagte der Philosoph Immanuel Kant vor mehr als 200 Jahren, „der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.“ Über den Himmel hat man mittlerweile viel hinzugelernt. Aber was wissen wir heute über die Moral? 
Es gibt wichtige Regeln im Miteinander, gegen die wir verstoßen können, ohne jemals das Ordnungsamt fürchten zu müssen noch gar den Staatsanwalt. Trotzdem werden solche Vergehen je nach Schwere geahndet. Dafür sorgen „Strafkammern“, die in unserem Gehirn zu Hause sind: das Gefühl der Scham, der Schuld, der Reue. In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es Hirn-Instanzen, die das Gegenteil tun: Wenn wir die allgemeinen Normen übertreffen, wenn wir also etwas besonders Gutes getan haben, belohnen sie uns mit dem Gefühl des Stolzes. 
Was sind das für Instanzen und woher kommen sie? Ist Moral andressiert, angeboren oder einfach nur hirngemacht? Sind die inneren moralischen Wächter individuell wie unser Fingerabdruck? Verleihen Sie möglicherweise dem Menschen Einmaligkeit? Welche „Defekte“ in Umständen und Haltungen führen Menschen zu unmoralischen Effekten in ihren Handlungen?

ad personam:

Prof. Dr. Gerald Wolf war bis zu seiner Emeritierung 2008 Direktor des Institutes für Medizinische Neurobiologie der Medizinischen Fakultät in Magdeburg. Er spielte eine aktive Rolle bei der demokratischen Neugestaltung der Hochschule, unter anderem als Prorektor und später als Prodekan der Otto-von-Guericke-Universität. Von 2000 bis 2002 war er Prorektor für Forschung.

2005 veröffentlichte er seinen ersten Wissenschaftsroman "Der HirnGott".

Prof. Dr. Hans-Dieter Klein, GEW; Sebastian Rößler, AK Bildungspolitik des StuRa der MLU:

Bildungsprotest und Hochschulentwicklung: Bleiben Studierende und Beschäftigte auf der Strecke?

25. November 2009, 19 Uhr
Melanchthonianum, Sitzungszimmer

Betrachtet man die Bildungspolitik Sachsen-Anhalts unter zwei von der CDU in wechselnden Koalitionen geführten Landesregierungen, bleibt an konkreten Ergebnissen im Bereich der Hochschulpolitik kaum Bemerkenswertes. Hätten die Hochschulen nicht trotz finanzieller und administrativ-struktureller Einschnitte, die sie auch noch in aufgezwungenen Zielvereinbarungen unterschreiben mussten, alles getan, dass es einen Studienrendenzahlzuwachs und eine Vielzahl und Vielfalt attraktiver Studiengänge gibt, wären Lichtblicke nicht vorhanden.

Betrachtet man die Landeshochschulpolitik 1 1/2 Jahre vor den nächsten Landtagswahlen lässt sich nicht erkennen, dass politische Vorgaben für die dringend notwendige Erneuerung des Bologna-Prozesses in Sicht sind. Die Hochschulgesetzgebung soll nach Willen des Kultusministers, niedergelegt in einem Gesetzentwurf, obrigkeitsstaatlich ausgerichtet und am niedrigsten deutschen Niveau orientiert werden. Der finanzpolitischen Strangulierung soll ein neues Kapitel hinzu gefügt werden und entsprechend würden die Zielvereinbarungen wieder aussehen. Damit einher gehen Einschränkungen der Studienfreiheit.

Opfer wären erneut die Studierenden durch Überlast und mangelnde Lehrangebote, die jungen AbsolventInnen, denen mangels Stellen und Stipendien der Zugang zur wissenschaftlichen Laufbahn verwehrt wird, und die Hochschulbeschäftigten, die unter Sparzwängen trotzdem Leistungen erbringen und erbringen sollen.

Damit niemand auf der Strecke bleibt, bedarf es politischer, gewerkschaftlicher und sozialer Bewegungen mit alternativen Konzepten an den Hochschulen, im Land und bis in den Landtag hinein.


ad personam:

Prof. Dr. Hans-Dieter Klein ist Gewerkschaftssekretär für den Hochschulbereich und Pressesprecher des Landesverbands der GEW.

Sebastian Rößler spricht für den AK Bildungspolitik des StuRa der MLU. Dieser Arbeitskreis gründete sich als Ergebnis des Bundesweiten Bildungsstreiks im Juni 2009. Angesichts der aktuellen hochschulpolitischen Herausforderungen wurde der AK innerhalb weniger Monate zu einem wichtigen politischen Akteur an der größten Hochschule des Landes Sachsen-Anhalt und vertritt dabei die politischen und gesellschaftlichen Interessen der Studierenden inner- und außerhalb der Universität.

Prof. e.h. Dr.-Ing. Klaus-Ewald Holst:

Zukunft Gas – Abhängigkeit von Russland? Achtung: Termin verschoben!

27. Januar 2010, 19 Uhr
Hörsaal XX, Melanchthonianum, Uniplatz
Der Anteil an Erdgas am Gesamtenergieverbrauch in Deutschland beträgt knapp 23 Prozent. Damit ist Erdgas deutschlandweit nach Mineralöl der am zweithäufigsten eingesetzte Energieträger.  Der Streit zwischen Russland und der Ukraine über Gaslieferungen und Transitbedingungen Anfang dieses Jahres hat über die Medien vor allem Auswirkungen auf die Gasversorgung Mittel- und Osteuropas gehabt. Zudem hat Russland als Zulieferland und Erdgas in Hinblick auf die Versorgungssicherheit einen Imageschaden davongetragen. Es ist es wichtig, dass Vertreter von Rohstofflieferanten, Transitländern und Rohstoffimporteuren im Interesse der Verlässlichkeit der Rohstoffversorgung gemeinsam miteinander sprechen und verhandeln sowie die Infrastruktur für eine zuverlässige Gasversorgung gemeinsam weiter ausgebaut wird.  Welche Auswirkungen die Gaskrise Anfang des Jahres auf VNG hatte und wie mit den aktuellen Herausforderungen der Gaswirtschaft umgegangen wird, wird Herr Prof. Holst am 27. Januar 2010 vorstellen.

ad personam:
Prof. e. h. Dr.-Ing. Klaus-Ewald Holst ist Vorstandsvorsitzender des Erdgasimporteurs VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft, Leipzig. Bezugsquellen der VNG sind v.a. Norwegen, Deutschland und Russland. Als Unternehmen der Gaswirtschaft besteht VNG seit mehr als 50 Jahren. In Deutschland ist VNG unter den Erdgasimporteuren die Nr. 3 und in Europa unter den Top Ten. Prof. Holst ist zudem Honorargeneralkonsul des Königreichs Norwegen für Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg und Vorsitzender des Landeskuratoriums Sachsen des Stifterverbandes der deutschen Wirtschaft.